Licht und Farben im Einsatz gegen Angst, Stress und Jetlag

Doktor Raffaele C. Sabbatini 

Dieser Artikel wurde erstmals im Juli 1998 im italienischen Magazin EliFlap veröffentlicht.

 

Passagiere und Crew sind mit Farbtherapie ruhiger. Die Erfahrungen von Flugbegleitern des Helikopter Rettungsdienstes von Ancona, Italien

 

Dr. Raffaele C. Sabbatini

 

Licht- (Behandlungen mit Licht) und Farbtherapie (Behandlungen mit Farbe) haben beide ihre Wurzeln in der fernen Vergangenheit. Vor Tausenden von Jahren wußten die “Ärzte” der alten Zivilisationen - die Heiler, Hexen, Schamanen und Seher aus Indien, China und Tibet, wie Licht den biologischen Zustand von Tier- und Pflanzenzellen beeinflussen und ändern konnte.

 

Die ersten Hinweise über die Anwendung von Farblicht-Therapie in den Sonnentempeln kamen von den Pharaonen aus Ägypten. Es dauerte nicht lange bis sich diese therapeutische Praxis zum alten Griechenland und nach Rom ausbreitete. Im Mittelalter war es üblich sich in rote Stoffe zu kleiden, um Pocken abzuwehren.

 

Die Ärzte Niels Finsen (1903) und Albert S. Saint George (1937) erhielten den Nobelpreis für ihre Forschungen über die Wirkung von farbigem Licht bei der Behandlung von Hautverletzungen als Folge von Pocken oder homonellen Veränderungen. Seit 1878, dem Jahr der offiziellen Geburt der Farbtherapie Forschung (basierend auf der Veröffentlichung des englischen Arztes Dr. E.B. Babitt “The Principles of Light and Colour”), gab es weltweit in diesem Feld eine sehr extensive wissenschaftliche Forschung mit aussergewöhnlich interessanten Ergebnissen; wie z.B. dem Nachweis, dass Licht die Fähigkeit hat, bestimmte Mikro-Organismen anzuziehen oder abzustoßen, sowie die Synthese der DNA im Zellnkern zu verstärken; auch die Zellbestandteile Myoglobin, Hämoglobin, Chlorophyll, Collagen und Liposomen absorbieren Licht.

 

Es kam deshalb nicht überraschend, dass die Cornell Universität die Anwendung von blauem Licht verkündete, um Müdigkeit und andere Nebeneffekte von Jetlag zu reduzieren. Blaues Licht (Lichtwellen schwingen in einem Bereich von 495-436 Nanometer, wobei 1 Nanometer 1 Millionstel eines Meters ist) wie ein Vascoconstrictor wirkt, d.h. die Blutgefäße zusammenziehend sowie antiseptisch, schmerzstillend, gerinnend. Blau ist die Farbe der Meditation, für tiefe Stille und Ruhe, für Güte und Freundlichkeit und Großzügigkeit. Diese Schwingungsfrequenz ist auch ein idealer Regulator für das endokrine System. Die Zirbeldrüse, die im Gehirn sitzt, produziert das Hormon Melatonin, dessen Synthese und Sekretion von Licht behindert und im Gegensatz dazu durch verschiedene Faktoren stimuliert wird, zu denen höchstwahrscheinlich vor allem Stressfaktoren zählen (alles, was die normale Balance stört). Es ist möglich, dass Melatonin uns noch unbekannte Qualitäten hat, aber es sieht so aus, als ob es eine wichtige Rolle in der Synchronisation des täglichen (Wach- und Schlaf-) Rhythmus und anderer biologischer Rhythmen spielen würde.

 

Die Anwendung von sichtbarem Licht der Lichtwellen 566 - 495 Nanometern, welches das menschliche Auge als grün sehen kann, ist schon seit einiger Zeit das Objekt von Experiementen und Berechnungen einer Gruppe von Flugbegleitern der HEMS “Golden Wings”, die mit dem regionalen Helikopter-Service des Krankenhauses von Torrette von Ancona zusammenarbeiten.

 

Sie beschäftigen sich schon lange mit der möglichen Kontrolle und Reduzierung von Müdigkeit, die die Folge des unvermeidbaren Stresses einer solchen Arbeit ist. Die Software (Programme und Verfahren), Hardware (Maschinen und Instrumente), Umweltbedingungen (Umfeld) und Lebenssituation (soziale Beziehungen) sind Komponenten des SHEL Konzeptes von Edwards und Hawkins und alle beeinflussen eine Person in ihrem Arbeitsfeld und tragen zur Verstärkung ihres/seines emotionalen und ängstlichem Befinden bei. Sie alle können eine Leistungsreduzierung eines Individuums mit möglichen Anzeichen von psychotischen Charakteristiken bewirken, welche die Flugsicherheit beeinflussen können.

 

Grünes Licht, obgleich es bisher weniger untersucht wurde als rotes und blaues Licht, scheint eine positive Wirkung auf das Nervensystem zu haben. Unter psychologischen Gesichtspunkten betrachtet ist Grün die Farbe der Balance, der Hoffnung, neuer Energie, der Ausdauer und der Erdung.

 

In unserem Falle wird eine Person mit geschlossenen Augen direkt mit grünem Licht bestrahlt (Grüne Gesichtsbestrahlung, ein Begriff, den wir für die Behandlung entwickelt haben). Die einzelne und/oder mehrfache Lichtquellen werden in einem Abstand von 20-30 cm aufgestellt und die Person für die Dauer von 15-30 Minuten bestrahlt, im Hintergrund kann zusätzlich Musik in F-Dur gespielt werden. Bei Beendigung der psychologisch-ausgleichenden Behandlung wird die Anwendung mit einem grünen/blauen Kristall oder Smaragd auf dem 4. Chakra empfohlen. Solche Behandlungen werden sowohl der Flug-Crew als auch solchen Passagieren angeboten, die besonders emotional oder ängstlich sind und denen lange Reisen bevorstehen, und die eine zusätzliche Kontrolle ihrer emotionalen Situation ohne Einsatz von Medikamenten benötigen.

 

Wenn man die Harmlosigkeit der Behandlung und das vollständige Fehlen von Nebenwirkungen betrachtet, wäre es sehr sinnvoll wenn die Fluggesellschaften auf Mittel- oder Langstrecken-Flügen für nervöse Passagiere oder solche, die unter Emotions- oder Angstattacken leiden, Farbtherapie-Geräte (sie sind tragbar, kleine Maschinen gibt es auf dem Markt) zur Verfügung hätten.

 

Doktor Raffaele C. Sabbatini, MS Präsident der Flug-Assistenten Gruppe HEMS, ist Dozent für Flugsicherheit und Flugauswirkungen an der Ausbildungsstätte der HEMS “M Trovarelli” von Ancona, Italien. Er kann auf viele Jahre Erfahrung im Bereich Naturmedizin und Farbtherapie zurückblicken.