Gerda Boyesen und Christa Muths im Gespräch

Nachdem wir in der letzten espacio time 1/97 einen Artikel von Gerda Boyesen über Biodynamische Psychologie und Psychotherapie veröffentlichten, wuchs das Interesse von Christa Muths und Gerda Boyesen, sich zu einem Gespräch über die praxisbezogene feinstoffliche Arbeit mit Klienten zu treffen. Dies ist der Inhalt ihres Gespräches vom 25. Februar 1997.

CM: Wie gehst Du mit Menschen um, die feinstofflich behandelt werden möchten, bei denen Du aber einen Muskelpanzer vorfindest?

GB: Menschen mit starkem Muskelpanzer spüren oft gar nicht, daß sie abgespalten, nicht in Kontakt mit ihrem Körper sind. Es gibt keinen Kontakt zwischen Geist und Körper, sie fühlen sich oft nicht so lebendig und suchen etwas. Während es für Menschen mit leichten Muskelverspannungen oft sehr schmerzhaft ist, wenn sich die Muskelpanzer auflösen, kommen auch verdrängte Gefühle herauf und verdrängte Gefühle verursachen Schmerz, wenn sie nicht verarbeitet wurden und auch die emotionalen Verdauungsmechanismen nicht mehr funktionieren. Diese emotionalen Verdauungsmechanismen habe ich entdeckt. Wir nennen sie Psychoperistaltik. Diese Menschen mit starkem Muskelpanzer brauchen Psychoperistaltik, d.h. diese energetische nervöse Flüssigkeit, die kommt, wenn die verdrängten Emotionen aktiviert sind, das ist der Verdauungsmechanismus. Wenn die verdrängten Gefühle herauf kommen, soll man bei diesen Menschen nicht in die Muskeln gehen und noch mehr verdrängtes Material aktivieren; wir arbeiten dann mit den Muskelhäuten und anderen Methoden mit dem Stethoskop als Feed back. Man will den Muskel gesund machen. Die freigesetzten neurotischen, auch biochemischen Produkte, verursachen Schmerz und der geht, wenn die Psychoperistaltik einsetzt, das ist wichtig. Und bei diesen Menschen mit leichten Muskelverspannungen arbeitet man viel mit der Aura. Weil die Energie von den Emotionen nicht integriert, ausgedrückt und verdaut ist. Diese Emotionen sitzen in den Muskeln und verursachen Schmerzen. Diese nervöse Energie geht oft in die Aura. Deshalb ist es oft besser, mit der Aura zu arbeiten, mit Stethoskop Feedback und die Behandlungstherapie anzufangen, um nicht noch mehr zu provozieren.

CM: Du hast von ‘abgespalten sein’ gesprochen, in meiner Erfahrung spüren die Menschen dann aber die Schmerzen nicht, nicht im Alltag.

GB: Nicht im Alltag, es ist als ob die Muskeln unempfindlich und steif geworden sind.

CM: Und wenn sie lebendiger werden aufgrund der feinstofflichen Behandlung, d.h. dann kommen die verdrängten Themen ans Tageslicht; ist das wie ein Auftauen in den Muskeln?

GB: Ja, es ist ein Reinigungsprozeß. Und dieser Reinigungsprozeß geht in die Richtung, daß man seine wirkliche Persönlichkeit findet und Kreativität und Spontanität; anstelle von diesem Steifen, neurotischen. Also von der neurotischen Sekundärpersönlichkeit in Richtung der unneurotischen Primärpersönlichkeit. Wir werden geboren und dann kommt dieser Neurotisierungsprozeß, auch im Körper. In der Therapie geht man dann einen anderen Weg.

CM: Du gehst von den Muskeln aus. Ich arbeite in meiner Therapie vorwiegend mit den Organen, weniger mit den Muskeln. Wie siehst Du das, was sitz als Informationen in den Organen, oder wie unterscheidet es sich zwischen Muskeln und Organen?

GB: Ich sollte noch erwähnen, daß man in dieser Therapie keine Schmerzen zu haben braucht, weil wir Methoden haben, Unbewußtes zu provozieren und wegzunehmen, produzieren und eliminieren. Wenn man weiß, was man macht und dazu die Psychoperistaltik und das Stethoskop Feed back hat, so kann man arbeiten, ohne daß es schmerzhaft ist. Es war oft so in der Psychotherapie, daß gesagt wurde man muß Schmerz spüren, aber ich stimme dem nicht zu. Aber zurück zu den Organen - Wir denken in unserer Arbeit nicht so viel an die Organe, wir arbeiten mehr mit den Muskeln und mit Atem, mit Unbewußtem und Bewußtem, und mit Psychotherapie. Das hat automatisch eine Auswirkung auf die Organe. Gleichzeitig ist es auch ein Reinigungsprozeß der Organe. Aber man muß mit den Nieren vorsichtig sein, daß sie nicht durch die freigesetzten Giftstoffe überlastet werden. Z.B. wenn jemand zu provozierend, zu kräftig behandelt wurde, sollte man viel trinken und homöopathische Mittel bekommen etc. damit die Nieren nicht zu sehr belastet werden. Oder man braucht z.B. mehr Vitamine, wenn es Streß mit dem Herzen gibt; dann sollte man mit anderen Therapieformen unterstützend zusätzlich arbeiten, wie z.B. Radionik etc., damit kann man die Organe messen, ob sie überlastet sind. Dann gibt es noch die Gewebspanzer, es können auch dort chemische Produkte sitzen, z.B. von Medikamenten oder Operationen. Alles hat mit der Regulierung der Therapie zu tun, man muß wissen, was man tut.

CM: Würdest Du den Organpanzer ähnlich beschreiben wie den Muskelpanzer, oder stellt er sich energetisch anders dar?

GB: Diese Fragestellung macht mich neugierig, mit welchen Methoden arbeitest Du?

CM: In Seminaren oder bei Einzelbehandlungen gebe ich die Energie vor, daß die Teilnehmer in die Organe gucken, also die Organe spüren können, was für eine Energie dort sitz. Dazu gehören auch die Knochen und die Muskeln. Und ich frage z.B. nach Freude und Angst, worauf die Muskeln und Organe sich freuen würden und wovor sie Angst haben. Es ist oft schwierig für die Teilnehmer, das zu spüren, sie müssen erst lernen, Bewußtsein oder Kontakt mit den jeweiligen Organen aufzunehmen. Das lernt man aber in der Ausbildung. Und dann frage ich danach, welche Gefühle dort sitzen, wo sitz die Enttäuschung, wo sitz die Frustration, und ich schicke sie ganz bewußt durch den Körper, Stück für Stück, wo die einzelnen Gefühle sitzen und welche Lebenserfahrung wo festgehalten wird. Und dort dranzubleiben, sich damit zu beschäftigen, um sich wahrzunehmen und nachzuspüren, wo sie her kommen. Wenn es sich im Bewußtsein löst, ist es so, als ob sich von innen etwas öffnet, das kennst Du wahrscheinlich genauso. Dann löst sich die festgehaltene Energie von innen. Die Organe haben von innen mehr Platz, haben mehr Raum, und das dehnt sich auch auf die Muskeln und Organe aus. Aber Menschen mit einem Muskelpanzer, der völlig zu ist, mit denen kann man auf diese Weise nicht arbeiten.

GB: Ja, Menschen, die nicht einen so starken Muskelpanzer haben, sind sensibler. Und dann kann man auch geführte Visualisierungen mit ihnen machen, was wir auch tun, und in die verschiedenen Organe gehen, um das, was dort sitz, zu finden.

CM: Ja, aber da gibt es Unterschiede. Ich habe Teilnehmer in meiner dreijährigen Ausbildung, die gehen am Anfang der Ausbildung mit Visualisierungen in den Körper und meinen, sie hätten Kontakt zum Herzen. Aber ich kann sehen, wie dicht dieser Kontakt ist, also wie sehr sie eins mit diesem Gefühl sind. Ich kann das in der Energie sehen, inwieweit es sich um Illusion oder wirklichen Kontakt handelt. Es ist oft so, daß wenn wir dieselbe Übung im dritten Jahr wiederholen, sie dann auf einmal sagen: ‘Jetzt waren wir wirklich im Herz, früher war das nur eine Phantasie.’ Bis sie wirklich so weit sind, daß sie mit dem Organ oder dem Gefühl, was dort sitz, eins sind, dauert es eine lange Zeit. Ich arbeite an der Erfahrung eines ganzheitlichen „Ich-Bin-Bewußtseins“.

GB: Ja, um diesen Kontakt aufnehmen zu können, sollte man in Therapie gehen. Einige Leute sind so offen, aber andere brauchen lange. Ich werde nie vergessen, wie ein Psychiater, der in meine Kurse kam, sagte: ‘Da ist etwas falsch mit dieser Patientin, sie kann ihr Herz fühlen.’ So war es auch bei mir, ich habe es nicht gefühlt. Aber je mehr ich meinen Panzer aufgelöst habe, desto mehr kann ich meinen Körper fühlen. Ich werde einen Moment niemals vergessen, ich war in der Badewanne und plötzlich spürte ich eine Energie, die von meinem Uterus durch den ganzen Körper ging; die Energie floß durch meinen Körper, ich konnte sie fühlen und dann war es wie elektromagnetisch, wie eine Massage. Das war ein beeindruckender Moment. Naturvölker können sogar ihren Eisprung fühlen, weil sie mehr mit ihrem Körper im Einklang sind.Durch diesen Sensitivierungsprozeß müssen die Leute hindurchgehen. Wir arbeiten nicht nur mit den Muskeln, sondern auch mit dem ganzen Körper und auch mit Psychotherapie. Besonders wichtig ist das In-die-Organe-Gehen, da kann man die Blockaden sehen und es kann starke Reaktionen geben.Aber was Du eben gesagt hast stimmt, Menschen mit ganz starkem Muskelpanzer können den Körper nicht fühlen und dann können sie deshalb auch die Organe nicht fühlen.

CM: Meine Erfahrung ist, aber Erfahrung ist ja immer subjektiv, daß manche Menschen nie krank sind. Ich kenne viele Leute, die nie eine Erkältung haben. Das kommt mir immer höchst verdächtig vor, meistens sind sie auch immer so gradlinig, auch körperlich. meine Erfahrung ist, daß sie dann oft ganz plötzlich sterben. Sie wirken zwar gesund, für viele Jahre, aber sterben oft ganz plötzlich und ohne irgendeine Vorwarnung, an Gehirnschlag oder einem Herzanfall. Wie siehst Du das? Würdest Du sagen, diese Menschen halten die Energie so fest in ihrem Muskelpanzer, bis eines Tages irgend etwas irgendwo aufbricht?

GB: Ja, die Energie geht nach innen, setzt sich in den inneren Organen fest. Diese Menschen sind nicht in Kontakt mit ihrer Selbstregulierung. Sie machen immer weiter, wie Maschinen, ohne zu fühlen, daß es zu viel ist. Andere fühlen, ‘jetzt ist es genug’ und die natürliche Selbstregulierung kommt. Also ich denke Deine Beobachtung stimmt, absolut.

CM: Wenn jetzt Menschen kommen, die feinstofflich behandelt werden wollen, und Du denkst, sie können es nicht verkraften; schickst Du sie weg, oder was machst Du?

GB: Ich schicke niemanden weg. Ich finde einfach neue Methoden, ich bin eine Detektivin. Allerdings muß man wissen, welche Methoden für welchen Patienten geeignet sind. Am Anfang gab es in vielen Ländern große Probleme mit all diesen Körperpsychotherapien, es hieß ,man solle den Muskelpanzer ‘brechen’. Ich nenne die verschiedenen Kliententypen neurotische Steine, neurotische Krieger und neurotische Prinzessin/Prinz auf der Erbse, die letzteren sind die feinstofflichen. Man hat sehr harte Methoden für die Steine und auch harte Methoden für Krieger. Aber Prinz/Prinzessin auf der Erbse soll man wie eine Prinzessin behandeln, weil man sonst zu viel aus dem Unbewußten provozieren kann und auch zu viel vom körperpsychologischen Panzer öffnet. Ich habe Menschen gesehen, die für Jahre ganz kaputt waren, weil ein Therapeut die Steine-Behandlung oder Krieger-Behandlung bei den feinstofflichen Patienten angewandt hatte. Diese Klienten brechen dann zusammen und werden mehr und mehr krank, für Jahre. Hier ist es wichtig zu wissen, wie mit diesen Klienten gearbeitet werden soll, mit Aura und mit Psychoperistaltik, vor allem was wir Emptiying, energetisches Leeren, nennen; und auch Integration, das Sprechen, cerebrale Integration. Aber es muß eine milde Behandlung sein, weil es oft auf das Unbewußte trifft, sonst sind die Reaktionen für die Patienten zu stark.

CM: Wie siehst Du die Rolle, die der Sauerstoff im Körper spielt?

GB: Die Bedeutung von Sauerstoff im Körper und Zellgewebe in meiner Arbeit - hier kommen wir zu dem, was wir nervöse, energetische Stauung nennen. Das heißt, es kommt keine Blutzirkulation in diese Gewebe hinein und dadurch auch kein Sauerstoff. In diesem Fall kann es Probleme geben, das Gewebe kann gestört werden. Wir verwenden den Begriff Leeren, Emptying, der Stauung. Dafür haben wir spezielle Techniken, die nicht die psychologische Abwehr berühren, aber diese nervöse energetische Flüssigkeit in Bewegung bringen sollen, denn diese kann an den verschiedensten Stellen im Körper sitzen und das wirkt sich auch auf den ganzen Körper und das Nervensystem aus. Um es bildlich zu beschreiben: es ist wie ein Schwamm voll von altem Wasser und es kann kein neues hereinkommen. Das hat dann schwerwiegende und schlechte Auswirkungen auf das gesamte System, einschließlich körperlicher Symptome.

CM: Die Erfahrung von meiner Arbeit her ist, daß wenn die Klienten mehrere solcher Stellen haben, sich ihr Zustand exponentiell verschlechtert, nicht linear. Auf einmal schlägt es um, wie ein Quantensprung, auf einmal werden sie am ganzen Körper krank; nicht linear, langsam, sondern, wenn ein bestimmter Prozentsatz dieser Stauungen im Gewebe erreicht ist, wo sich die Flüssigkeit ansammelt, dann kann es sich plötzlich überproportional im ganzen Körper negativ niederschlagen.

GB: Meine Erfahrung mit dem Uterus hat fast etwas mit hysterischen Phänomenen zu tun. Die Energie kam wie eine Flüssigkeit. Energie zieht Flüssigkeit. Aber hierbei wirkt sie auf das ganze vegetative Nervensystem und macht wirklich krank. Man kann nicht nur psychisch krank werden, sondern auch körperlich. Und das kommt von dieser psychisch gestauten Flüssigkeit. Erst die energetische Stauung plus Verdrängungen und zu viel Streß etc., wobei die Psychoperistaltik nicht von selber natürlich arbeitet und es sich so nicht leeren kann. Es sitz fest, man bekommt lokale Symptome, Schmerzen hier und dort oder auch ernste allgemeine Krankheiten.

CM: Um noch einmal auf die Rolle des Sauerstoffs im Körper zurückzukommen. Ich denke auch, daß nicht jeder im gleichen Raum das gleiche einatmet. Jeder nimmt die Stoffe entsprechend seines psychologischen und körperlichen Zustands auf. Wir holen uns aus dem Raum, was mit uns resoniert. Siehst Du das auch so?

GB: Ja. Hier kommen außerdem die negativen Energien dazu. Die Chakras können zu offen sein. Wir verlieren Energie, aber wir können auch negative Energien aufnehmen, wenn die Chakras nicht funktionieren, wie sie sollten. Dann muß man auch mit den Chakras arbeiten. Und die ganze Sauerstoffverteilung im Körper, z.B. wenn ein regressives Verdrängungsmuster hoch kommt, so kann es zu einem Mangel an Sauerstoff kommen, wegen der energetischen Flüssigkeitsstauung. Als Auswirkung können diese Leute dann wenig Energie haben oder sie können krank werden. Da gibt es einen großen Zusammenhang zwischen den Energien, den psychologischen Abläufen und der Körperarbeit.

CM: Gehst Du davon aus, daß die Flüssigkeit im Körper Bewußtsein hat?

GB: Du mußt sehr feinstofflich wahrnehmen können, um so eine Frage zu stellen. Es ist schön, mit Dir darüber sprechen zu können, weil - man hat diese Hemmungen, wem kann man etwas sagen und wem nicht! Hier kommen wir zu dem was ich esoterische biodynamische Psychotherapie und Psychologie nenne. Die Frage war, ob die Flüssigkeit Bewußtsein oder auch Unbewußtsein hat. Ich denke, alles hat mit Vibrationen zu tun und die Flüssigkeit kann verschiedene Vibrationen haben. Und je höher die Vibrationen, desto mehr die himmlische und die psychische Verbindung. Die Stauung kann verhindern, daß man mit seiner Seele in Verbindung kommt. Ich denke auch, daß es eine Verbindung zwischen den höheren Vibrationen und dem Höherem Selbst und dem Höheren Selbst mit dem Göttlichen gibt. Es gibt sehr viele Verbindungen damit. Diese Flüssigkeit kann negativ sein und sie kann positiv sein. Es ist ganz ganz phantastisch, wie man auch selber bestimmen kann, wie man fühlt.

Ich werde dieses Jahr 75 Jahre alt und im letzten Winter gab es eine Zeit, wo ich mich so alt fühlte. Weil ich mein Bein gebrochen hatte, mußte ich immer noch am Stock gehen und es gab Schnee und Glatteis. Dann habe ich es verstanden - wir haben diese Vibrationen in der Radionik - es war Altersenergie in mir. Sie war auch in meiner Flüssigkeit, diese Vibration. Die bestimmten Gefühle haben auch ihre bestimmte Vibrationszahl. Da habe ich gedacht, ich mache diese Alters-Vibrationen auch selber, weil ich Urgroßmutter bin. In dem ich sagte: ‘Ich möchte gern’ im Großmutterstuhl sitzen’ anstelle von ‘Ich möchte gern in meinem Stuhl sitzen’. Auch meine Familie trug dazu bei, diese Vibrationen zu verstärken, indem sie häufiger sagten: ‘Sei vorsichtig!’ und ich habe das auch verinnerlicht. Wir schaffen so auch unsere eigenen Vibrationen. Interessanterweise trifft das auch auf unsere Weiblichkeit zu. Du bist auch ein Symbol für das Weibliche, und das ist so schön. Und jetzt werden Leute ganz verrückt, alle sollen so dünn werden und verlieren dabei die Weiblichkeit.

CM: Aber es gibt da immer noch enorme Zwänge auf Frauen. Ein Freund von mir, er ist Bildhauer, sieht zum Beispiel die Lebendigkeit der Haut und wie die Leute sich bewegen. Und er sagt: „Was nutzt mir ein schöner ästhetischer Körper mit einer toten Haut! Der Körper ist nicht lebendig!“ Er sagt auch: „Ich möchte etwas Lebendiges und dann ist es egal ob es 20 oder 70 ist, das macht gar keinen Unterschied.“ Das Alter einer Person ist für ihn nicht entscheidend, sondern die Lebendigkeit.

GB: Diese Ausstrahlung! Ich kann bei den Klienten sehen, wenn die Ausstrahlung von der Haut kommt. In den alten Malereien kann man es sehen, es kommt durch - die Frauen haben das. Aber wenn man einen starken Panzer hat, kommt es nicht durch. Es ist wunderschön, das in Ausbildungsgruppen zu sehen, jetzt kommt sie durch! Und auch mit Klienten, sie ist wunderbar, diese lebendige Ausstrahlung.

CM: Was meinst Du, wo das Erinnerungsvermögen der Menschen sitzt?

GB: Das ist ein wichtiger Aspekt. Es gibt psychotherapeutische Schulen oder Psychologen, die behaupten, das Unbewußte existiere nicht. Aber das ist so, weil sie es nicht erlebt haben und nicht die entsprechenden Methoden haben, deshalb können ihre Klienten nicht an das Unbewußte kommen. Ich verstehe mich als Expertin, die den Leuten mit ihrem Unbewußten hilft und das oft nur in ein paar Minuten. Weil ich in meiner langjährigen Körperarbeit heraus gefunden habe, daß das Zwerchfell das Tor zum Unbewußten ist. Wir verdrängen auch mit dem Zwerchfell, über unsere Muskeln und unsere psychologischen Mechanismen. Und an diesem Punkt kann man ansetzen, indem man ganz vorsichtig dabei vorgeht. Dann kann man das neurotische Atmen auflösen, aber es wird sehr einfühlsam vorgegangen, nicht hart, denn je härter man vorgeht desto härter wird die Abwehr. Die Behandlung ist sehr mild. Ich bin eine psychotherapeutische Verführerin, aber eine Verführerin zum Guten des Klienten, nicht für mich selber, das ist wichtig. Zum Erinnerungsvermögen möchte ich folgendes erläutern. Wir haben diese drei Höhlen: Bauchraum, Brustraum und Kopf. Im Bauch sind die Eingeweide, hier sitzen die Neurosen, wirklich in den Eingeweiden und im vegetativen System Wenn die Energie nur im Bauchbereich ist, kann man die Traumen nicht erinnern. Wenn sie in den Brustbereich aufsteigt, so hat man Angst, man kann sie nicht erinnern. Aber wenn es bis zum oberen Brustbereich kommt, dann ist es nicht mehr so weit zu gehen bis zum Erinnern. Dann wende ich eine spezielle Technik an. Hier ist, was ich den dynamischen Moment nenne, und dann muß ich eine spezielle verbale Technik anwenden, so daß die Klienten das erleben, was ich cerebrale Integration nenne, Erinnern. Bei vielen kommt es hier zum Weinen und Schreien, in diesem dynamischen Moment muß man dann diese Technik anwenden, so daß sie sich erinnern können. Aber man kann diese Technik nicht anwenden, wenn die Energie sich nur im Bauchbereich befindet. Sie muß hier auf dem Weg sein, und dann kommen Erinnerungen. Man kann auch eine verbale Technik, die ich positive Regression nenne, einsetzen. Ein Mann kam zu mir und sagte: ‘Ich bin jetzt 45 und als ich 40 war, habe ich alles vergessen.’ Und nachher konnte er sich bis zu seinem 6. Lebensjahr zurückerinnern. Also es gibt auch eine Technik dafür. Ich liebe es, diese bestimmte Technik anzuwenden und zu lehren. Ich denke, daß man sich auch im Bauch und im Uterus erinnern kann, dort bekommt man dann auch oft Anschluß an Inkarnation. Es ist spannend, das zu erleben. Es ist wie eine Überraschung für die Leute. Also man kann wirklich nicht sagen, daß das Unbewußte nicht existiert. Ich unterscheide aber auch zwischen sub-bewußt und unter-bewußt, subbewußt liegt ganz nahe, unterbewußt liegt in der Tiefe.

CM: Meine letzte Frage ist nach dem „Fälschlichen Erinnern“ (false memory syndrome), wie siehst Du das?

GB: Ja, ich denke, daß was vom Unbewußten kommt nicht falsch ist, das Körper-Unterbewußtsein, das weiß ich, ist wahr!! Aber wenn Therapeuten mit Fragen arbeiten und Gedanken induzieren, dann kann es zum false memory syndrome kommen. Bei uns in der Praxis verläuft es folgendermaßen, wenn Klienten anfangen, bestimmte Erinnerungen zuzulassen, dann haben sie Angst, daß sie als Kinder sexuell mißbraucht worden sind und wollen es nicht denken und glauben. Meist sagen sie: ‘Ich habe so idiotische Gedanken, ich glaube es nicht’, dann weiß ich, daß es so ist. Und dann muß ich es öffnen und die Dynamik auch, sie müssen die Situation nochmals durchleben und dann gibt es keinen Zweifel mehr. Aber niemand von diesen Leuten wird dann einen Gerichtsprozeß gegen die Eltern anstreben wie in Amerika. Weil wir mit Versöhnung arbeiten, d.h. es kommt ein tieferes Verständnis und sie bleiben nicht stecken. Ich glaube, es gibt das false memory syndrome. Aber nicht, wenn man wirklich mit den tiefen Schichten des Körpers arbeitet.

CM: Das ist ja eine ganz spannende Überlegung: diese Therapeuten arbeiten nicht wirklich mit der Körperinformation, sondern an der Fragestellung. Es ist irgend etwas gewesen und es kommt nicht richtig hoch und sie lenken negative Gefühle in ein bestimmtes, durch die Art der Frage vorgegebenes Gedankensystem.

GB: Ja. Und ich arbeite deshalb nicht mit Fragen. Aber ich schaffe die Möglichkeit dafür, daß die Erinnerungen ins Bewußtsein aufsteigen können, erzwinge dies aber nicht. Und dann verstehen die Klienten es auch. Die, wie ich sie nenne, „himmlischen“ Eigenschaften wie z.B. Einsicht und Verständnis können erfahren werden, weil der emotionale Zyklus vervollständigt werden konnte. Beim false memory syndrome, denke ich, hat der Therapeut nicht richtig gearbeitet.

CM: Vielen Dank für dieses Gespräch. Du bist eine sehr spannende Gesprächspartnerin und ich hoffe, daß wir uns bald wieder einmal treffen können.

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