Mouches Volantes

Die Leuchtstruktur des Bewußtseins

Floco Tausin

Leuchtstruktur Verlag Bern, 2004, 388 Seiten

€27.50 39.80 CHF ISBN: 3-033-00205-6

Der Titel des Buches ist für den Laien erst einmal nichtssagend und man ist davon entweder angezogen oder befremdet. Wer trotz Befremdung neugierig bleibt und das Buch liest, kann es nicht wieder weglegen.

Mouches Volantes sind bewegliche Punkte, Ringe und Fäden vor unseren Augen, die von Augenärzten als altersbedingt oder als Krankheit angesehen werden. Wir alle kennen diese Punkte, Fäden oder auch helle Felder, die manchmal vor unseren Augen oder besser: in dem, was wir sehen, erscheinen. Dieses Phänomen wird in unserer Zeit des Materialismus und der Rationalität als „Teilchen im Auge“ interpretiert.

Der Autor Floco Tausin beschreibt in seinem Buch, wie er sich als junger, erfolgreicher und auch etwas ungeduldiger Mann auf die Suche nach einer Erklärung seiner Mouches Volantes macht. Diese können das Bild, welches wir sehen, trüben oder aber auch erhellen, d.h. klarer machen. Mouches Volantes stellen sich für jeden anders dar.

Floco hatte schon zu diesem Zeitpunkt die Kunst der gezielten Bewußtseinbildung von Nestor studiert, einem Weisen, der in der hügeligen Abgeschiedenheit des Emmentals in der Schweiz lebt. Er traf auf Nestor bei der Suche nach einem alten Möbelstück, welches er restaurieren wollte. Floco begann mit der Restauration des alten Sekretärs und hatte einen bestimmten Zeitplan vor Augen, um das alte Stück mit Profit verkaufen zu können.

Nun, Mari Eglis’ Sekretär von 1888 spielte ganz einfach nicht mit, Floco biss sich im wahrsten Sinne des Wortes seine Zähne an dem guten Stück aus, da es allen nur technischen oder handwerklichen Fähigkeiten ganz einfach widersprach und sich weigerte, mit Flocos Intentionen Hand-in-Hand zu gehen.

Nestor hatte seine große Freude an Flocos Ärger und Enttäuschungen über all die „Widerstände“, die ihm das alte Möbelstück entgegenbrachte, da er wusste, dass genau diese Emotionen ein Lernfeld für Flocos Bewußtseinsentwicklung des Sehens und der Wahrnehmung darstellten.

Floco änderte im Prozeß der Auseinandersetzung mit dem Widerstand leistenden alten Möbelstück seine Lebensgewohnheiten, seine Ansichten über die Welt und vor allem seine Motivationen radikal. Unter Nestors Anleitung begann er seine Mouches Volantes als Ausdruck seines Bewußtseins und als Ausdruck seiner spezfischen Art und Weise des Sehens zu verstehen und zu interpretieren.

Sehen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht das gewöhnliche sinnliche Wahrnehmen, sondern eine unmittelbare Erkenntnis jenseites aller Gedanken, ein tiefer bewußter Einblick in den Ursprung dessen, was wir selbstverständlich als „unsere“ Welt bezeichnen. In diesem Sinne ist das Sehen unmittelbar mit den Mouches Volantes verknüpft. Sie können es uns ermöglichen, sozusagen „über das gesehene Bild hinauszusehen“ bzw. Dimensionionen weiter oder tiefer zu sehen.

Das Buch ist insgesamt sehr spannend geschrieben, mit trockenem Humor – vor allem von Nestors Seite - sehr realistisch und vor allem ehrlich. Die vielen Alltagssituationen rufen Erinnerungen an das eigene Leben hervor und Flocos „alte“ Sicht der Welt ist so typisch für unsere Kultur und damit auch für unsere eigenen Wahrnehmungen und Interpretationen „unserer“ Welt. Die Tatsache der unmittelbaren Verbindungen von Bewußtsein und der Mouches Volantes sind ein Weg, um zu einem neuartigem und herausforderndem Verständnis vom Zusammenhang von Bewußtsein zu unseren Sinnen und vor allem auch vom Sehen zu gelangen: vom Licht unseres Bewußtseins.

Das Buch ist ein Muss!! Der Inhalt wird uns lange begleiten und wir werden das Buch immer wieder hervorholen, um darin nachzulesen.

Es gibt auch ebenso ungewöhnlich aufgemachte wie ausgezeichnete Webseiten zu dem Thema:

www.mouches-volantes.com

www.bewusstsein.ws/Sehen/Sehen.htm

www.bewusstsein.ws/Nestor/Nestor.htm


Christa Muths, August 2005