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> espacio Reisen > Reisebericht und Spendenaufruf für Cuajimoloyas

Cuajimoloyas - das Indio Dorf in den Wolken

Liebe Freunde,

schon seit vielen Jahren möchte ich gerne im Rahmen von espacio einheimische Projekte der mexikanischen Indianer unterstützen.

Wichtig war mir dabei immer, dass von espacio unterstützte Projekte nicht mit westlichem Geld im Sinne der westlichen Mentalität und Idealvorstellungen durchgeführt werden sollten. Ich hatte die Idee, dass es sich dabei um eine Unterstützung handeln sollte, bei der die Verantwortlichkeit alleine bei den Indianern bleiben sollte.

Bei meiner letzten Reise nach Mexiko im März und April 2002 bin ich nun durch "Zufall" auf ein solches "Projekt" gestoßen:

Cuajimoloyas
In der Zeitung von Oaxaca las ich über ein Temascal (eine indianischen Schwitzhütte) in einem Dorf in der Nähe der Stadt und habe Rosemarie gefragt, ob sie mit mir dorthin wollte. Es war heiß in Oaxaca und deshalb stiegen wir bewaffnet mit T-Shirt, Sandalen und Zahnbürste, da wir über Nacht bleiben wollten,  in den Autobus, der uns in das Dorf bringen sollte. Zu unserer Überraschung fuhr der Bus Richtung Mitla, bog dann aber links ab. Aus dem schaukelnden Bus konnten wir dann sehr hohe Berge beobachten und wunderten uns über einen geraden waagerechten Strich, der sich ganz oben an einem Berg befand und rätselten, ob dieser Strich wohl von Menschenhand geschaffen war.

Wir fuhren und fuhren und befanden uns plötzlich auf Serpentinen, die zum Teil unbefestigt waren und immer steiler nach oben führten. Es wurde immer kälter, der Himmel war malerisch, die Landschaft machte uns atemlos, wir fühlten uns wie Alice im Wunderland. Die aufsteigende Reise nahm kein Ende.

Plötzlich deutete Rosemarie nach unten und sagte: "Mein Gott, da unten waren wir vorhin. Ich fasse es nicht, wir sind auf dem Strich, den wir von unten gesehen haben."

Wir waren überwältigt vom Schauspiel der untergehenden Sonne, von der Landschaft, dem Trampelpfad, auf dem der Bus fuhr, unseren bunten Mitreisenden - außerdem waren wir die einzigen Bleichgesichter (bleach weasels)  im Bus - der gesamten Atmosphäre.

Endlich kamen wir in Cuajimoloyas an - wir hatten mehrfach nachzufragen - und verließen frierend den Bus, abwartend, was nun wohl passieren würde. Ein junger Zapoteke stand geduldig abwartend am Rande. Als ich auf ihn zuging,  stellte er sich als Estaban vor, der mit Señora Manuela, der Curandera, die auch seine Tante ist, zusammenarbeiten würde.

Er schaute verwundert auf unsere Sandalen, unsere T-Shirts und dann gingen wir gemeinsam zum einzigen Geschäft des Ortes, in dem es schöne warme bunte und lange Wollponchos zu kaufen gab. In Ponchos eingehüllt, nun warm aber hungrig führte er uns zum Dorf-Restaurant, einem großen Raum mit einer von außen genährten Feuerstelle, auf der gekocht wurde. Das Essen war hervorragend: polle con mole negro und danach Café de Olle. Ja, und dann gab es diesen aufregenden Tee, der uns völlig aufwärmte und außerdem gut für die Verdauung und für die Darmreinigung ist. Kaffee und Tee werden aus Schüsseln getrunken und mit beiden Händen gehalten.
 
 

Danach versuchten wir mit unseren Sandalen die steilen ungepflasterten Berge zum Haus der Curandera emporzuklimmen. Estaban hatte seinen Spaß und mußte uns öfter unterstützend unter die Arme greifen. Er erklärte uns, das wir uns in 3 200 m Höhe befanden und es nachts sehr kalt würde.

Das Haus der Curandera hatte einen "Seitenflügel", zu dem wir dann über Steine auf einen Trampelpfad stolperten. Der Fußboden war reine Erde mit einigen Felsbrocken in der Mitte, am Ende des mit Bambusmatten ausgelegten und Wellblech überdachten Seitenflügels befand sich so etwas wie ein großer Backofen, der ebenfalls von außen befeuert wurde. Die Curandera, in den Siebzigern, bat uns, uns auszuziehen, in den Backofen zu krabbeln und uns hinzulegen. Was wir auch folgsam taten. Dann zog sie sich aus und folgte uns.

Wir wurden mit Kräutern "ausgepeitscht", da sie nicht über mich hinwegpeitschen konnte, gab sie mir ein Kräuterbündel und so peitschte ich Rosemarie aus, während sie mich auspeitschte. Sie war wesentlich ausdauernder als ich. Ich  ermüdete schnell von der harten Arbeit und sank erschöpft  auf die Bambusmatte, während sie fleißig weiter meinen  Körper bearbeitete. So kam es, dass ich die doppelte Reinigungsportion erhielt!

Wir hatten jedoch eine Ruhepause zwischendurch und dann begann die Prozedur wieder. Zu einem dritten Backofengang waren wir dann wirklich nicht mehr fähig.

Danach gab es eine Massage von der Curandera, die dann den ganzen Körper wachrüttelte.

 


Die Curandera Sra. Manuela

Wie abgesprochen wartete dann um 22 Uhr Estaban draußen auf uns, um uns zu unseren Cabañas, in denen wir übernachten wollten, zu führen. Er stand im Dunkeln mit Wolldecken bewaffnet. Ich ging selbstverständlich davon aus, dass die Wolldecken als zusätzlicher Übernachtungsschutz gedacht waren, aber nein, es war so kalt draußen, daß wir die Woll-decken dringendst benötigten, um nicht halb erfroren bei den Cabañas anzukommen.

Ich fragte Sra. Manuela ob ich über sie einen Bericht schreiben dürfte und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen, so dass sie mir alles über das Temascal erzählen konnte. Die Informationen über Temascal sind hier zu finden.

Wir stolperten dann in Poncho und Wolldecke eingehüllt - aber immer noch mit Sandalen - die Berge weiter hinauf und landeten auf dem Gipfel an einer weiteren Hütte mit offenem Kamin und zwei Hochbetten.

Nach Anheizen des Kamins und einem Zigarettchen vor der Hütte in nun 3 400 m Höhe legten wir uns dann bei offenem Feuer schlafen. Nachts hörten wir die Esel gröhlen - die, wie  wir dann am nächsten Tag erfuhren, auf die Minute genau  sich stündlich äußern >>> aber nicht alle einheitlich zur  gleichen Minute!!! -, Coyoten jaulten, im Sternenhimmel war die Milchstraße mit absoluter Klarheit über uns, zum Greifen nahe: eine Wunderwelt. Wir waren überwältigt. Trotzdem schliefen wir fest wie tote Steine und wachten am nächsten Morgen völlig entspannt, erfrischt und lebendig wieder auf.

Eine neue Runde unseres Abenteuers hatte begonnen.
 

Als wir aus der Hütte traten, standen wir staunend vor dem Schauspiel, dass sich uns bot: Eine einzige asphaltierte Straße, endlos viele Esel und Hühner, Adobe Bauten mit Wellblechdächern, die Sonne schien von links durch den Wald und brach sich in lauter kleinen Regenbögen. Ein Bild von unbeschreiblicher Schönheit und tiefer Gelassenheit und Ruhe.

Vor uns hingen zwei Hängematten, in die wir uns dann gleich hineinsetzten und schaukelnd das Panorama in uns aufnahmen. Estaban wollte uns um 8 Uhr abholen, 15 Minuten später standen wir kurz vor dem Verhungern und machten uns dann eigenmächtig auf den Weg. Dieser war abschüssig und mit unseren Sandalen rutschten wir eher als dass wir liefen. Wir wunderten uns nur, wie wir die Nacht davor überhaupt da hoch gekommen waren.

Eine Atmosphäre aus einer anderen Welt.

Wir fanden "unser" Restaurant und hatten ein mexikanisches Frühstück; die unvergesslichen mexikanischen Eier in allen nur undenkbaren Varianten, die schwarzen Bohnen - die aussehen wie verkleideter schwarzer Kartoffelbrei - und Tortillas. Dazu gab es das Brot der Coyoten, wie mir mein Nahuatl Lehrer einmal erklärte. Die Weißen, die bleach weasels, wurden von den Indianern als Coyoten bezeichnet, da sie alles einfach zerstörten und damit wurde unsere Art des Brotes als das Brot der Coyoten bezeichnet.

Wir hatten mit Estaban eine  Dschungel-Wanderung vereinbart. Er holte uns dann im "Restaurant" ab und führte uns zum Tourist Office: Ein einzelner Raum ohne Telefon oder Schreibmaschine. Das einzige technische Gerät war ein Walkie Talkie, mit welchem sich die zwei zur Zeit amtierenden  Touristenführer verständigten.

In unserer dreistündigen Dschungelwanderung auf Trampelpfaden erklärte er uns viele Heilpflanzen und sprach davon, dass, wenn wir Mutter Natur (la naturaleza) nicht atmen lassen, auch die Menschen nicht atmen können. Oft bringt schon alleine die Möglichkeit, sich im Schoße von la naturaleza aufzuhalten und mit ihr sein zu dürfen, den entscheidenden Anstoß zur Heilung, bzw. die Heilung. Die Wirkung der von Menschenhand kaum beeinflussten La Naturaleza konnten wir nur bestätigen.

Ganz aufgeregt beobachteten und hörten wir viele Zopiloten, die Adler-Geier der Gegend,  für sie waren wir natürlich ohne Bedeutung.

Estaban erzählte uns, dass die Männer aus dem Dorf ehrenamtlich ein Jahr als Touristenführer zur Unterstützung des Dorfes umsonst arbeiten würden: fünf Tage in der Woche, zwei Tage wird dann im eigenen Beruf gearbeitet, um die Familie zu ernähren. Manchmal reichte das Geld für die Familie und manchmal eben nicht.

Im Dorf leben ca. 800 Menschen, die Zapoteken. Sie sprechen zapotekisch und spanisch. Das Dorf ist in einer Gemeinschaft mit  acht  anderen Dörfern zusamengeschlossen, die gemeinsam wirtschaften und planen.

Die Dörfer haben vier Einnahmequellen:

  1. Wasserreinigung und -klärung
  2. Silberbergwerk
  3. Agrarwirtschaft (Holzbearbeitung)
  4. Ökotourismus
Die Zahl vier hat eine wichtige Bedeutung in der Mathematik  der Mittel- und südamerikanischen Hochkulturen. Diese Kulturen waren besonders in der Mathematik unseren europäischen Kulturen weit voraus. Sie kannten die Zahl Null lange bevor sie vom Westen, aus Indien kommend übernommen wurde. Die Schamanen diser alten Hochkulturen in Mittel- und Südamerika arbeiten in Kleingruppen von vier, lassen diese bis zu acht anwachsen und teilen sich dann in in schamanische Kleingruppen von jeweils vier. Sie arbeiten dann in Einheiten bis zu fünf schamansichen Kleingruppen, d.h. ein Gesamtzahl von 20 Schamnen zusammen. Die Zahl Zwanzig ist eine heilige Zahl, sie heißt im mayanischen Ahau. In den Pyramiden von Mitla gibt es  dann auch 20 verschiedene geometrische Muster an den Wänden.

Cuajimoloyas hat ein kleine Kirche, ein kleines Hotel mit zwei Gästezimmern, ein Cabaña, welches über dem Dorf liegt und in dem wir geschlafen haben. Ein weiteres Cabaña wird gerade gebaut.

Das Dorf hat nur eine einzige Telefonleitung und die beiden Touristenführer kommunizieren mit ihren Walkie-Talkies miteinander. Selbst im Touristen-Office, dem Raum unter dem Hotel gibt es kein Telefon. Es gibt nur eine gepflasterte Straße im Dorf.

Meinen Wunsch, für das Dorf von espacio eine Patenschaft zu übernehmen und sozusagen zu adoptieren,  besprach ich dann mit der Curandera Sra. Manuela, ihrem Mann und Estaban. Alle Beteiligten fanden die Idee gut und freuten sich über neue Entwicklungen.

Am nötigsten braucht das Dorf einen Computer für die Schule, für die Dorfverwaltung. Ein Computer kostet ca. US Dollars 2000 (20 000 mexikanische Pesos).  Wenn man ihn mietet jährlich 120 US Dollars oder 1200 Peos, das macht monatlich US Dollars 25 oder 250 Pesos Gebühren. Ein Faxgerät, welches sich dann alle Dörfer teilen könnten, wäre  sehr wünschenswert. Das Dorf hat eine Telefonleitung und eine zweite Telefonleitung wäre ebenfalls erstrebenswert.

Ich möchte hiermit alle espacionisten und auch Eure Freunde um Spenden für das Dorf bitten. Ihr könnt einmalige Spenden machen oder auch monatlich einen festen Betrag, von  z.B. € 10 -  € 50 oder natürlich auch mehr überweisen. Bitte informiert auch Eure Freunde und Bekannte über dieses Projekt und ruft zu Spenden auf. Rosemarie wird der Schatzmeister sein und zeichnet mitverantwortlich, dass die eingezahlten Spenden ordnungsgemäß verwendet werden.

Für die fernere Zukunft ließe sich vielleicht anvisieren, daß ein Austausch stattfinden könnte: Kinder aus dem Dorf nach Deutschland oder England kommen. Dieses könnte von den Spenden bezahlt werden, oder daß man ihnen hilft, auch im Ausland einen Studienplatz zu finden etc. Es könnten auch Brieffreundschaften entstehen.

Bitte zahlt Eure großzügige Spende auf fogendes Konto ein:
 

Christa Muths,
Dresdner Bank Darmstadt-Eberstadt
Konto Nr. 0232848300
BLZ:50880050
Stichwort Cuajimoloyas oder einfach Dorf Mexiko.
 

Wir werden auf unserer Webseite
www.espacio-time.com
regelmäßig über Neuigkeiten berichten.

Ich bedanke mich von ganzem Herzen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit unserem Dorf und den Spendern.

Alles Liebe

Christa Muths
Southampton Juli 2002


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